AMBULANTER DIENST – PFLEGEKONZEPT

1) UNSER MENSCHENBILD

  • Jeder Mensch ist eine eigene selbst bestimmte Persönlichkeit, die durch Lebenslauf, Lebenserfahrung, Elternhaus, Bildung sowie das kulturelle und soziale Umfeld geprägt ist.
  • Der Mensch hat neben seinen Grundbedürfnissen (Essen, Trinken, Schlafen, Ausscheiden) geistige Bedürfnisse wie Religion, Interesse an der Umwelt, Hobbies, Politik, etc..
  • Jeder Mensch hat seine Vorstellungen vom Leben und versucht danach zu handeln.
  • Das Leben des Menschen wird von seinem Verstand und seinen Gefühlen geleitet.
  • Zur Erhaltung des körperlichen und seelischen Gleichgewichts ist die Befriedigung der individuellen Bedürfnisse notwendig.

2) UNSER PFLEGEMODELL

Die gesamte Konzeption der betreuenden und pflegerischen Arbeit orientiert sich am Rahmenmodell der ganzheitlich fördernden Prozesspflege von Monika Krohwinkel. Dieses Pflegemodell ist die Grundlage unserer Arbeit im Ambulanten Dienst. Damit wird unsere Arbeit garantiert.

Die Kategorien, nach denen sich fördernde Prozesspflege im direkten Pflegeprozess einteilen lässt sind:

  • SichtbarkeitFähigkeiten, Bedürfnisse und Probleme des Pflegebedürftigen und seiner Bezugspersonen (pflegende Angehörige) werden bewusst gemacht, gezielt berücksichtigt und dokumentiert.
  • GanzheitlichkeitAlle verbliebenen Fähigkeiten werden erfasst. Die Bedürfnisse und Probleme im Rahmen der AEDL`s (Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des Lebens) werden wahrgenommen und entsprechende Maßnahmen abgeleitet. Ergebnisse in der Pflege werden dokumentiert und ausgewertet, notwendige Veränderungen werden geplant und umgesetzt.
  • KongruenzEs besteht eine fördernde Übereinstimmung zwischen physisch möglichem (dem machbaren) und gewollten (vom Pflegebedürftigen akzeptierten) Verhalten in den einzelnen Pflegehandlungen.
  • KontinuitätDie fördernde Beziehung wird durch fortlaufende Problemlösungs- und Entwicklungsprozesse stabilisiert. Pflegerische Handlungen werden weitgehend durch feste Bezugspflegekräfte personen- und situationsbezogen gewährleistet.
  • Unabhängigkeit und WohlbefindenIm Vordergrund pflegerischer Aktivitäten steht das Wohlbefinden des Pflegebedürftigen und eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit in der Gestaltung seines Tagesablaufs.Dies sind die übergeordneten Ziele fördernder Prozesspflege für alle Bereiche der AEDL.

a) Das Strukturmodell der Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens (=AEDL)
Das AEDL Strukturierungsmodell kann als Instrument zur Erfassung und Zuordnung von Daten im Rahmen des Pflegeprozesses gesehen werden. Es geht davon aus, dass die Realisierung von Lebensaktivitäten Einfluss auf Leben und Gesundheit hat. Die Nummerierung der einzelnen AEDL Bereiche bezeichnet keine Hierarchie und kann als Ordnungssystem gesehen werden. Die einzelnen AEDL-Bereiche stehen in unmittelbarer Wechselwirkung zueinander. Das 13. AEDL „mit existentiellen Erfahrungen umgehen können“ wirkt sich auf alle anderen AEDL-Bereiche aus und kann nicht nur isoliert betrachtet werden.
Die einzelnen AEDL-Bereiche sind:

1.  Kommunizieren
2.  Sich bewegen
3.  Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten
4.  Sich pflegen
5.  Essen und trinken
6.  Ausscheiden
7.  Sich kleiden
8.  Ruhen und schlafen
9.   Sich beschäftigen
10. Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten
11. Für eine sichere Umgebung sorgen
12. Soziale Bereiche des Lebens sichern
13. Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen.

Die Existenz fördernde Erfahrungen wie Wiedergewinnung von Unabhängigkeit, Zuversicht und Freude, Integration, Sicherheit, Hoffnung und Sinn finden.

Die Existenz gefährdende Erfahrungen wie Verlust von Unabhängigkeit, Sorge und Angst, Misstrauen, Isolation, Trennung, Ungewissheit, Hoffnungslosigkeit, Schmerzen, Sterben, Langeweile.
Erfahrungen, die fördernd oder gefährdend sein können wie Glauben und Religionsausübung, Lebensgeschichtliche Erfahrungen, kulturgebundene Erfahrungen wie Weltanschauung.

b) Das Pflegeprozessmodell
Pflege, die sich als eigenständiges Fachgebiet versteht und sich nicht auf die Ausführungen ärztlicher Anweisungen reduziert, muss eine eigene Diagnostik und Planung durchführen und dokumentieren. Die ganzheitlich-fördernde Prozesspflege erfasst alle Leistungs-, Lenkungs- und Planungsaufgaben des Pflegebereichs:

pflegeprozessmodell

c) Das Pflegerahmenmodell
Im Rahmen unserer pflegerischer Tätigkeiten wenden sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Ambulanten Dienstes unseren Kunden mit einem fachlichen Interesse zu.
Primäre pflegerische Zielsetzungen sind das Erhalten, Fördern bzw. Wiedererlangen von Unabhängigkeit und Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person.
Hierbei werden, ausgehend von unseren Kunden und ihrer Umgebung, Lebensverhältnisse, die gesundheitliche Situation, die Fähigkeiten und Einschränkungen in die Planung der individuellen Pflege einbezogen.
Dazu stehen fünf übergreifende Methoden pflegerischer Hilfeleistung zur Verfügung:

  1. für den pflegebedürftigen Menschen handeln
  2. ihn führen und leiten
  3. für eine Umgebung sorgen, die einer positiven Entwicklung förderlich ist
  4. ihn unterstützen
  5. den pflegebedürftigen Menschen und /oder seine Bezugspersonen anleiten, beraten, unterrichten und fördern.

3) PFLEGESYSTEM

Wir beschäftigen in unserem Ambulanten Dienst dreijährig examinierte Pflegefachkräfte (Altenpflegerinnen, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen bzw. Krankenschwestern, eine Heilerziehungspflegerin), einjährig examinierte Pflegehelfer (Krankenpflegerin) und ange¬lernte Pflegehilfskräfte. Die Helferinnen werden regelmäßig durch Pflegefachkräfte angeleitet und die Qualität ihrer Pflegetätigkeit in Pflegevisiten eingeschätzt und überprüft. Die Organisation der Pflege hat bedeutenden Einfluss auf das Wohlbefinden der Kunden und beeinflusst darüber hinaus die wirtschaftliche Effizienz der pflegerischen Abläufe und die fachliche Ausführung der Pflegetätigkeiten.
Wir bemühen uns, die Pflege im Sinne der Bezugspflege zu organisieren. Durch die unterschiedlichen Anstellungsverhältnisse unserer Fach- und Hilfskräfte ist dies nicht immer durchgängig möglich. Den einzelnen Pflegetouren werden jeweils verantwortliche Pflegefachkräfte zugeordnet, die mit Unterstützung der Hilfskräfte die pflegerische Versorgung der Kunden steuern. Die fachliche Aufsicht obliegt der Leitung, die einzelnen Fachkräfte sind jedoch für ihre Tour verantwortlich.
Wir kooperieren mit Ärzten, Krankenkassen, Krankenhäusern, Apotheken, Sanitätshäusern, Altenheimen, Einrichtungen der Kurzzeitpflege, Sozial-Psychiatrischen-Diensten, dem Medizinischen Dienst, dem Pflegestern mit Betreutem Wohnen zu Hause etc. Die Inhalte, Ausrichtung und Abläufe der pflegerischen Arbeit orientieren sich dabei an den Lebensgewohnheiten und Bedürfnissen unserer Kunden und deren Bezugs-personen, soweit dies organisatorisch möglich ist. Die Mitarbeiter des Pflegedienstes beginnen und beenden ihren Dienst jeweils im Büro. Sie haben ausreichend Vor- und Nachbereitungszeit zur Informationsaufnahme und -weitergabe. Diese findet im persönlichen Übergabegespräch und durch schriftliche Weitergabe statt. Als Ansprechpartner fungieren zu den Bürozeiten die PDL oder stellvertretende PDL bzw. ist deren telefonische Erreichbarkeit gesichert.
Die Qualitätssicherung gewährleisten wir durch regelmäßige Teambesprechungen, geplante Pflege, unterstützt durch Fort- und Weiterbildung, Dokumentation, Pflege-standards, eine gute Ausstattung und unseren regelmäßig stattfindenden Qualitätszirkel.

Leistungsbeschreibung

Pflegerische Angebote:

  • Pflegerische Versorgung nach SGB XI durch Leistungen der Grundpflege
  • Beratungsbesuche nach § 37b SGB XI bei Pflegegeldempfängern
  • zusätzliche Betreuungsleistungen nach § 45a SGB XI
  • Verhinderungspflege

Behandlungspflege:

  • medizinische Maßnahmen auf Verordnung des Hausarztes zur Vermeidung oder Verkürzung von Krankenhausaufenthalten

Serviceleistungen:

  • Beratung und Hilfe bei Beantragung der Pflegestufe oder Einstufung durch den MDK
  • Vermittlung von Pflegehilfsmitteln (Beantragung von Rezepten beim Hausarzt und Kontakt zum Sanitätshaus herstellen)
  • Vermittlung, Beratung zur Inkontinenzversorgung
  • Vermittlung medizinischer Fußpflege
  • Vermittlung von Kurzzeitpflegeplätzen und Beratung vor einer Heimaufnahme

Diese Leistungen sind bei nachfolgender Versorgung kostenlos, ansonsten wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben.

Essen auf Rädern:

  • Auslieferung einer warmen Mittagsmahlzeit (Suppe, Hauptgericht, Dessert)
  • an sieben Tagen in der Woche
  • frisch gekocht, Lieferung in Porzellangeschirr, sofort servierfertig
  • aus der Küche des AWO- Seniorenheims Markt Schwaben

Seniorenratsch:

  • einmal monatlich (letzter Donnerstag) für von uns gepflegte Kunden
  • Kaffeenachmittag mit selbst gebackenem Kuchen, Seniorengymnastik, Musik und Spiel
  • An- und Abfahrt wird bei Bedarf vom Pflegedienst organisiert

Stand: April 2014